Bei der Tierschutzhund-Eingewöhnung zählen die ersten sechs Wochen am meisten: In einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes mit 158 Hunden aus dem Ausland verbesserte sich das Verhalten laut Haltern in dieser Zeit am stärksten. Ruhe, Abstand und ein fester Tagesablauf bringen in diesen Wochen aus meiner Sicht mehr als Kurse, Ausflüge und Besuch, und ein Auslandshund gehört zusätzlich nach Plan zum Tierarzt, weil ein negativer Test aus dem Herkunftsland laut der Fachgesellschaft ESCCAP, die Empfehlungen zu Parasiten bei Haustieren herausgibt, keine Sicherheit gibt.
Veröffentlicht : Studien und Leitfäden geprüft.
Dieser Ratgeber begleitet die Wochen nach dem Einzug. Wie du Angst beim Hund grundsätzlich erkennst und Schritt für Schritt abbaust, steht im Ratgeber Hund bei Angst beruhigen.
Das Wichtigste in Kürze
- In der LMU-Studie (Halterangaben, 158 Hunde) galt nach einer Woche ein Drittel der Hunde als ängstlich, nach sechs Monaten noch 4,7 %. Den größten Sprung machten die Hunde in den ersten sechs Wochen.
- Dogs Trust rät für die ersten Tage: kein Besuch, den Hund von sich aus kommen lassen, kurze Runden immer am selben Ort und ein Rückzugsort, an dem ihn niemand stört.
- Der Deutsche Tierschutzbund nennt als Kriterien für die Vermittlung unter anderem TRACES-Meldung, Kennenlernen vor der Zusage und einen Vertrag, in dem der Verein den Hund bei Problemen zurücknimmt.
- Bluttests auf Babesiose, Ehrlichiose und Leishmaniose laufen laut ESCCAP bei Hunden ohne Krankheitszeichen frühestens zwei, drei und acht Wochen nach der Ankunft. Tests auf Herzwürmer wiederholt die Praxis nach sechs bis acht Monaten.
- Zeigt ein Hund starke Angst und passt sich nur schwer an, raten die Fachtierärztinnen Jessica Graf und Franziska Kuhne zu einer längeren verhaltensmedizinischen Begleitung.
Tierschutzhund-Eingewöhnung: Die ersten sechs Wochen bringen laut LMU-Studie den größten Fortschritt
Ein Team der Tiermedizin an der LMU München und der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes hat 151 Halterinnen und Halter von 158 Hunden aus 18 Ländern über sechs Monate begleitet (Hoth-Zimak und Kollegen, Scientific Reports 2026). Nach Angabe der Autoren ist es die erste Studie dazu, die vorausschauend angelegt war: Das Team fragte das Verhalten in Telefoninterviews nach einer Woche, sechs Wochen, zwölf Wochen und sechs Monaten ab, statt die Halter im Rückblick zu befragen.
| Zeitpunkt nach dem Einzug | Laut Halter ängstlich | Laut Halter ruhig |
|---|---|---|
| 1 Woche | 33,1 % | 60,4 % |
| 6 Wochen | 10,6 % | 85,4 % |
| 12 Wochen | 6,6 % | 88,7 % |
| 6 Monate | 4,7 % | 92,7 % |
Die Zahlen sind Gesamteinschätzungen der Halter auf die Frage, wie sie ihren Hund beschreiben würden. Als ängstlich galt ein Hund, der häufig Angstzeichen zeigte, etwa Zittern, eine eingezogene Rute oder Fluchtversuche (Hoth-Zimak und Kollegen 2026). Ein Gesamtwert aus 18 einzeln abgefragten Verhaltensbereichen passte weitgehend dazu und stieg zwischen der ersten und der sechsten Woche stärker als in den viereinhalb Monaten danach. Die Grenzen nennen die Autoren selbst: Die Teilnehmer waren besonders motiviert, und am Telefon antworten Menschen eher so, wie sie es für erwünscht halten. Für dich heißt das konkret: Zittern und Verstecken in der ersten Woche waren in der Studie verbreitet und wurden bei den meisten Hunden in den folgenden Wochen seltener. Rechne trotzdem mit Rückschritten: Bei etwa einem Drittel der Hunde lag der Gesamtwert bei einem Interview unter dem vorherigen. Und nicht jeder Hund kommt an: Im Fazit schreiben die Autoren über einzelne Hunde mit lang anhaltendem Leiden, einige davon hätten nicht importiert werden sollen.
Dass ehemalige Straßenhunde ängstlicher sein können als im Inland aufgewachsene Hunde, zeigt eine Online-Befragung der Universität Kopenhagen (Animals 2021) mit 3.020 auswertbaren Antworten dänischer Hundehalter. Ehemalige Straßenhunde zeigten neun von 45 abgefragten Verhaltensweisen häufiger als in Dänemark aufgewachsene Hunde, alle aus den Bereichen Angst, Aggression und Stress. Angst vor Geräuschen war die verbreitetste Angst: 28 % der ehemaligen Straßenhunde zeigten sie laut ihren Haltern oft oder immer. Auch das ist eine Befragung im Rückblick und kein Beweis, dass die Herkunft die Ursache ist.
Hund aus dem Tierschutz: Ein Kennenlernen vor der Zusage zeigt dir Charakter und Verhalten
Wer einen Hund aus dem Tierschutz im Ausland aufnehmen will, kann den vermittelnden Verein prüfen. Der Deutsche Tierschutzbund (Positionspapier, Stand Juli 2025) hat eine Checkliste für Hunde aus dem Ausland veröffentlicht. Daraus diese Punkte:
- Erlaubnis: Der Verein ist gemeinnützig und hat eine Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 5 Tierschutzgesetz.
- Transport: Er kann erklären, was TRACES ist, und bestätigen, dass die Transporte darüber laufen. Hunde, die ein Verein zur Vermittlung nach Deutschland bringt, gelten laut Tierschutzbund als gewerblicher Transport.
- Kennenlernen: Du kannst den Hund vorher ein- oder mehrmals persönlich treffen, bestenfalls in einer Pflegestelle oder einem Tierheim in Deutschland.
- Vertrag: Es gibt einen Vermittlungsvertrag, und der Verein nimmt den Hund zurück, wenn Probleme auftreten.
Von Übergaben an Raststätten oder auf Parkplätzen rät der Tierschutzbund ab: Ein Hund, der gerade eine lange Fahrt hinter sich hat, kann dort aus Halsband oder Geschirr schlüpfen und weglaufen. Die Fachtierärztinnen Jessica Graf und Franziska Kuhne schreiben in einem Fachbeitrag für Thieme Tiermedizin (2026), dass nur etwa ein Fünftel der Hunde vor der Vermittlung in einer deutschen Pflegestelle lebt, wo ein Kennenlernen möglich ist. In der LMU-Studie entwickelten sich Hunde, die über ein deutsches Tierheim oder eine Pflegestelle kamen, nicht messbar anders als direkt vermittelte Hunde; nur 31 von 158 Hunden hatten diesen Weg genommen. Auch ein Kennenlernen vorab ging dort nicht mit besseren Werten einher. Tierschutzbund sowie Graf und Kuhne raten trotzdem dazu, weil du so Charakter und Verhalten vor der Zusage einschätzen kannst.
Vor dem Einzug brauchst du einen ruhigen Rückzugsort, gesicherte Türen und das gewohnte Futter
Die britische Hundeschutzorganisation Dogs Trust rät, den Platz für den Hund schon vor der Ankunft zu planen: wo er ruht, schläft und frisst. Ein Rückzugsort liegt in einem ruhigen Bereich abseits der Laufwege der Wohnung.
- Ausstattung: Bett, Decke, Näpfe, Futter, Halsband, Leine und Marke, dazu Spielzeug und Futterspielzeug (Dogs Trust).
- Sicherung: Kabel, Reinigungsmittel, Medikamente und giftige Pflanzen wegräumen, bei Bedarf ein Türgitter aufstellen (Dogs Trust). Die RSPCA-Zweigstelle Brighton rät, den Gartenzaun auf Höhe und Lücken zu prüfen.
- Alles nah beieinander: Bett, Näpfe und Spielzeug gehören laut RSPCA Brighton für die ersten Tage und Wochen an einen Ort. Ein Hund aus dem Zwinger kennt alles auf engem Raum, über eine fremde Wohnung verteilt kann ihn das verwirren.
- Futter: Frag, was der Hund bisher bekommen hat, und füttere es weiter. Stell das Futter laut RSPCA Brighton langsam über einige Tage um.
- Tierarztpraxis: Nimm schon vor dem Einzug Kontakt auf (RSPCA Brighton) und melde den Hund in den ersten Tagen an (Dogs Trust).
In den ersten Tagen bestimmt der Hund den Abstand und du den Tagesablauf
Die ersten Tage nach dem Einzug können laut Dogs Trust die schwersten sein. Erwachsene Hunde aus dem Tierschutz sind bei der Ankunft womöglich beunruhigt, verstecken sich und suchen keinen Kontakt. Dogs Trust nennt das ausdrücklich normal. Diese Handgriffe stammen aus deren Leitfaden:
- Kein Besuch: Die Wohnung bleibt ruhig, damit der Hund seine neue Umgebung in Ruhe kennenlernt.
- Kein Bedrängen: Warte, bis er zu dir kommt, und lass die Hände unten. Lehnt er sich an, streichle ihn drei bis vier Sekunden an Brust oder Schulter und warte, ob er mehr möchte.
- Rückzugsort unangetastet: Dort wird er nie gestört, auch nicht zum Streicheln.
- Futter als Beschäftigung: Futterspielzeug lässt ihn die Umgebung erkunden, ohne dass du ständig mit ihm umgehen musst.
- Kurze Runden am selben Ort: In den ersten Tagen bleiben die Spaziergänge kurz und führen immer in dieselbe Gegend.
- Fester Ablauf: Füttern, Gassi und Ruhe zu gleichen Zeiten, angelehnt an das, was er kennt.
- Tagebuch: Notiere in den ersten drei Monaten, was er mag, was ihn stört und wie er frisst. So siehst du Veränderungen.
Rechne damit, dass auch ein erwachsener Hund noch nicht stubenrein ist (Dogs Trust). Die US-Tierschutzorganisation ASPCA beschreibt den Verlauf mit der 3-3-3-Regel: drei Tage Unsicherheit, drei Wochen Ankommen, drei Monate, bis Vertrauen wächst und das Wesen sichtbar wird. Die Regel ist eine Faustregel aus dem Tierheimumfeld, kein Messwert. Tierheime geben sie auch bei Katzen weiter, der Ratgeber Neue Katze eingewöhnen ordnet sie dort ein. Geprüft hat die LMU-Studie die Regel nicht. Dort lag der größte Teil der Veränderung in den ersten sechs Wochen, nach zwölf Wochen galten laut Haltern noch 6,6 % der Hunde als ängstlich.
Die erste Nacht: ein warmer Platz und die Wahl, sich zu bewegen
Dogs Trust rät, dem Hund sein Bett schon tagsüber zu zeigen. Es steht an einem warmen Platz, ist groß genug zum Ausstrecken und steht nicht neben einem Fenster im Erdgeschoss, hinter dem nachts Autos oder Menschen zu hören sind. Ob es in deinem Schlafzimmer steht, entscheidest du. Hat der Hund Probleme mit dem Alleinsein, kann es helfen, anfangs in seiner Nähe zu schlafen und den Abstand dann langsam zu vergrößern. Dogs Trust empfiehlt, das mit der vermittelnden Stelle abzusprechen. Weint er in einem abgeschlossenen Raum, lass ihn nach dem Zubettgehen die Wohnung erkunden: Schon die Wahl kann ihm laut Dogs Trust helfen, sich wohler zu fühlen. Zieht ein Welpe ein, hilft der Ratgeber Welpe erste Nacht.
Ängstlicher Hund: Vertrauen baust du auf, indem du ihm die Wahl lässt

Vertrauen aufbauen heißt bei einem ängstlichen Hund aus dem Tierschutz zuerst, ihm den Rückweg offen zu lassen. Er soll erleben, dass Annäherung freiwillig bleibt und jederzeit enden darf. Darauf zielen die Ratschläge von Dogs Trust: Kontakt geht vom Hund aus, und wer sich zurückzieht, wird in Ruhe gelassen.
Futter aus der Hand nahmen die Hunde früh an. In der LMU-Studie nahmen schon in der ersten Woche 94,2 % der Hunde drinnen Futter aus der Hand ihrer Halter, nach sechs Monaten 99,3 %. Spielen dauerte länger: Nach einer Woche spielte knapp die Hälfte der Hunde (49,0 %), nach sechs Monaten 71,8 %. Auf Ruf kam nach einer Woche etwa die Hälfte der Hunde direkt, nach sechs Monaten waren es rund zwei Drittel. Nicht jeder Hund spielte oder nahm Futter aus der Hand, und wie Vertrauen am besten entsteht, hat die Studie nicht geprüft. Die Leitfäden von Dogs Trust und RSPCA Brighton ergeben diese Reihenfolge:
- Erst Futter, dann Hände: Biete Futter aus der flachen Hand an, ohne ihn dabei anzufassen. Streicheln kommt erst, wenn er von sich aus zu dir kommt und sich anlehnt (Dogs Trust). Auch RSPCA Brighton rät, den ersten Körperkontakt dem Hund zu überlassen.
- Kontakt kurz halten: Drei bis vier Sekunden, dann Pause (Dogs Trust). Geht er weg, ist das eine Antwort, kein Ungehorsam.
- Nicht über ihn beugen, nicht hochheben: Das LMU-Team fragte Hochheben, Darüberbeugen und Futterwegnehmen gezielt ab, weil Hunde solche Handgriffe als bedrohlich empfinden können. Es bat die Halter ausdrücklich, diese Situationen nicht absichtlich herbeizuführen.
- Signale lesen: Zittern, eine geduckte Haltung, eine eingezogene Rute oder Fluchtversuche zählten in der LMU-Studie als Angstzeichen. Weitere Signale beschreibt der Ratgeber Anzeichen von Stress beim Hund.
Bleibt die Angst über Wochen gleich stark oder richtet sie sich gegen bestimmte Auslöser, hilft ein schrittweiser Trainingsplan. Den Aufbau in kleinen Schritten und die Frage, ob Trösten die Angst verstärkt, behandelt der Beitrag Hund bei Angst beruhigen.
In der LMU-Studie besserten sich Spaziergang und Alleinbleiben am stärksten, Aggression gegen fremde Hunde blieb
In keinem Bereich legten die Hunde der LMU-Studie zwischen der ersten Woche und dem sechsten Monat so stark zu wie beim Spaziergang und beim Alleinbleiben. Der Start war dort schwer: Bei 17,4 % der Hunde gelang es in der ersten Woche auch durch Ziehen an der Leine nicht, sie zum Gehen zu bewegen: Sie blieben stehen, setzten oder legten sich hin. Ein Drittel zeigte unterwegs häufig Angstzeichen, nach sechs Monaten hatte sich dieser Anteil halbiert, und etwa drei Viertel der Hunde wirkten dann draußen entspannt. Vor Passanten wichen nach einer Woche 26,4 % der Hunde ängstlich aus, nach sechs Monaten 13,7 %. Bemerkten Halter Unterschiede zwischen Passanten, galt Angst oder Abwehr vor allem Männern.
- Sichern: Ein gestresster Hund kann laut Tierschutzbund aus Halsband oder Geschirr schlüpfen. Prüf deshalb vor jedem Gang, dass beides so sitzt, dass er nicht herauskommt. Aktualisiere die Daten zum Mikrochip in den ersten Tagen (Dogs Trust).
- Alleinbleiben: In der ersten Woche zeigten 44,9 % der Hunde Probleme beim Alleinsein, also mehr als drei Minuten Bellen, Heulen oder Winseln oder Zerstören. Nach sechs Monaten waren es 23,9 %. Geübt wird das Alleinbleiben in Sekundenschritten, der Plan dafür steht unter Trennungsangst beim Hund.
- Fremde Hunde: Hier blieb der Anteil aggressiver Reaktionen fast gleich: Angreifend oder abwehrend aggressiv auf fremde Hunde reagierten nach einer Woche 23,1 % der Hunde, nach zwölf Wochen 24,5 %. Freundlichen Kontakt suchte anfangs etwa ein Drittel, nach sechs Monaten etwa die Hälfte. Abstand halten statt Begegnungen erzwingen: So geht der Ratgeber zur Leinenreaktivität beim Hund vor.
Wird dein Tierschutzhund nach Wochen ängstlicher oder abwehrender, gehört zuerst der Körper geprüft
Nicht alles entwickelt sich zum Besseren. In der LMU-Studie wurde die Angst vor Besuch seltener, dafür verdreifachte sich der Anteil der Hunde, die auf Besucher zugingen und sie anbellten, anknurrten, nach ihnen schnappten oder bissen, von 4,7 % nach einer Woche auf 15,3 % nach sechs Monaten. Beim Hochheben und beim Wegnehmen von Futter nahmen leichtes Ausweichen und Aggression ebenfalls zu. Warum, erklärt die Studie nicht. Die ASPCA beschreibt, dass ein Hund sein Wesen erst nach und nach zeigt, je wohler er sich fühlt, und Dogs Trust rechnet nach dem Einzug mit unerwartetem Verhalten.
Bevor du das Verhalten deutest, lass eine körperliche Ursache ausschließen. Schmerzen können Angst und Abwehr auslösen, darum steht der Tierarzt auch im oben verlinkten Ratgeber zur Angst beim Hund an erster Stelle. Bei Hunden aus dem Ausland kommen laut Graf und Kuhne Darmparasiten wie Giardien hinzu, die durch Transportstress und Futterwechsel ausbrechen können. Durchfall oder ein Hund, der schlechter frisst, ist deshalb ein Grund für einen Termin, auch wenn der letzte Besuch erst kurz zurückliegt.
Auslandshund eingewöhnen: Der Tierarzt-Check folgt einem Zeitplan, nicht dem ersten Eindruck
Graf und Kuhne schreiben, etwa ein Drittel der Hunde aus Süd- und Osteuropa trage mindestens einen Infektionserreger. Eine der Studien, auf die sie sich stützen, wertete 345 Importhunde aus, die 2007 bis 2015 in der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin vorgestellt wurden (Schäfer und Kollegen, Parasites & Vectors 2019): 35 % waren positiv auf mindestens einen von Zecken oder Mücken übertragenen Erreger, am häufigsten Leishmanien. Klinikpatienten sind allerdings keine Zufallsauswahl aller Auslandshunde. Ein Hund kann solche Erreger laut ESCCAP tragen, ohne krank zu wirken. Ein negativer Test vor der Ausreise gibt keine Sicherheit, schreibt ESCCAP Deutschland, die Fachgesellschaft für Parasiten bei Haustieren: Einige Tests werden erst zuverlässig, wenn der Hund schon Wochen oder Monate infiziert ist. Der Tierschutzbund ergänzt, dass Schnelltests falsche Ergebnisse liefern können.
Melde den Hund laut Dogs Trust in den ersten Tagen in einer Praxis an. Beim ersten Termin prüft die Praxis laut Graf und Kuhne Heimtierausweis, Mikrochip, Impfungen und Entwurmung, dazu raten sie zu einer frühen Kotuntersuchung, auch auf Giardien. Die Bluttests bei einem Hund ohne Krankheitszeichen folgen diesem Plan aus der ESCCAP-Checkliste für Hunde aus dem Ausland:
| Erkrankung (Überträger) | Erster Bluttest ohne Krankheitszeichen | Wiederholung |
|---|---|---|
| Anaplasmose (Zecken) | frühestens 2 Wochen nach Ankunft | nach Rücksprache mit der Praxis |
| Babesiose (Zecken) | frühestens 2 Wochen nach Ankunft | nach Rücksprache mit der Praxis |
| Ehrlichiose (Zecken) | ab 3 Wochen nach Ankunft | frühestens 1 Woche später |
| Leishmaniose (Sandmücken) | frühestens 8 Wochen nach Ankunft | ratsam z. B. alle 6 Monate |
| Herzwurm und Hautwurm (Mücken) | nach Ankunft | nach 6 bis 8 Monaten |
Die Tabelle fasst die ESCCAP-Checkliste (2. Auflage, Februar 2018) zusammen. Graf und Kuhne bestätigen den Rahmen 2026: Tests auf Anaplasmen, Babesien, Ehrlichien und Dirofilarien (Herz- und Hautwurm) zwei bis drei Wochen nach der Ankunft, auf Leishmanien nach acht Wochen und eine erneute Testung nach sechs bis acht Monaten. Zeigt der Hund Krankheitszeichen, wird sofort untersucht. Eine Leishmaniose kann laut ESCCAP noch Jahre nach dem Import auftreten. Welche Tests dein Hund braucht, entscheidet die Tierarztpraxis. Hat er Angst vor dem Termin, helfen die Schritte im Ratgeber Hund hat Angst vor dem Tierarzt.
Bringt ein Verein den Hund aus einem anderen EU-Land, gilt das als gewerbliche Verbringung. Der Tierschutzbund nennt dafür: Mikrochip, EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung, die erst nach dem Chip gesetzt werden darf, eine Untersuchung durch einen befugten Tierarzt höchstens 48 Stunden vor dem Transport und die Meldung über TRACES. Die Tollwutimpfung ist frühestens mit zwölf Wochen erlaubt, danach gelten 21 Tage Wartezeit, ein Hund darf also frühestens mit 15 Wochen einreisen. Die Rechtsgrundlage für solche Transporte nennt die EU-Kommission: die Delegierte Verordnung (EU) 2020/688. Für Hunde, die privat mitgebracht werden (dort Delegierte Verordnung (EU) 2026/131), und für Länder außerhalb der EU gelten andere Regeln. Findet die Praxis Lücken, soll sie laut Graf und Kuhne mit dir darüber sprechen und das Veterinäramt informieren. Fehlt ein gültiger Tollwutschutz, kann das Amt eine Quarantäne anordnen. Ob in deinem Fall alles korrekt ablief, klärt das Veterinäramt an deinem Wohnort; dieser Abschnitt ersetzt keine Rechtsberatung.
Andere Tiere im Haushalt lernt der Neue langsam und vorsichtig kennen
Dogs Trust rät, einen Hund aus dem Tierschutz langsam und vorsichtig mit Hunden oder Katzen im Haushalt bekannt zu machen. In der LMU-Studie ging das Zusammenleben mit einem anderen Hund mit signifikant besseren Werten nach sechs Wochen und nach sechs Monaten einher. Die Autoren verweisen darauf, dass ein Artgenosse Stress senken kann. Das ist ein Zusammenhang, kein Beleg, dass ein Zweithund die Eingewöhnung beschleunigt. Lebt eine Katze bei dir, beschreibt der Ratgeber Hund und Katze aneinander gewöhnen die Zusammenführung in vier Schritten, vom Geruchstausch bis zum gemeinsamen Raum mit dem Hund an der Leine.
Verlässt der Hund nach Wochen das Haus nicht, gehört eine Fachperson dazu
Zwei der 158 Hunde in der LMU-Studie verließen in sechs Monaten das Haus nicht, aus Angst. In der Diskussion werfen die Autoren die Frage auf, ob diese Hunde überhaupt hätten vermittelt werden sollen, im Fazit halten sie fest, dass einige stark belastete Hunde nicht hätten importiert werden sollen. Sie verweisen zudem auf einen Kommentar zum Tierschutzgesetz, nach dem starke Angst als Leiden gelten kann. Hunde mit starkem Angstverhalten, die sich nur schwer an das neue Leben anpassen, sollten laut Graf und Kuhne länger verhaltensmedizinisch begleitet werden.
Frisst dein Hund gar nicht mehr oder kommen Durchfall, Erbrechen oder Fieber dazu, gehört er ohne Wartezeit in die Tierarztpraxis. Hilfe beim Verhalten würde ich holen, wenn er nach mehreren Wochen das Haus nicht verlassen will, mehrmals täglich zittert oder flieht oder dich beim Anfassen anknurrt oder schnappt. Erste Anlaufstelle ist die Tierarztpraxis, danach eine Tierärztin oder ein Tierarzt mit Schwerpunkt Verhalten, die du über die Suche der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie (GTVMT) findest. Frag auch bei der vermittelnden Stelle nach: Dogs Trust bietet seinen Adoptanten Unterstützung beim Verhalten an, und der Tierschutzbund zählt Ansprechbarkeit nach der Vermittlung zu den Kriterien für einen seriösen Verein.
Ein Befund der LMU-Studie wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: Hunde, deren Halter einen Kurs in einer Hundeschule besuchten, hatten nach zwölf Wochen und sechs Monaten schlechtere Werte. Die Autoren halten es für wahrscheinlicher, dass Halter mit schwierigen Hunden eher Hilfe suchen, als dass der Kurs schadet. Welche Art von Training die Hunde bekamen, wurde nicht erfasst. Belohnungsbasiertes Training empfiehlt Dogs Trust ausdrücklich, auch um Bindung und Vertrauen zu stärken.
Ich rate, die Eingewöhnung eines Tierschutzhundes an drei Zeichen zu messen und nicht an Kommandos: Er frisst, er schläft entspannt, und er sucht von sich aus deine Nähe. Solange eines davon fehlt, rate ich von Besuchsmarathon, Ausflug in die Stadt und Freilauf ab.
Draußen rate ich, einen neuen Hund in den ersten Wochen doppelt zu sichern: mit einem Geschirr, aus dem er nicht herausrutschen kann, und einem Halsband als zweitem Halt. Wer in den ersten Wochen wegläuft, kennt die Umgebung noch nicht.
Fazit: Ruhe in den ersten Wochen, Bluttests nach Plan und Hilfe, bevor die Angst sich festsetzt
Richte vor dem Einzug einen ruhigen Rückzugsort ein, frag nach dem gewohnten Futter und sichere Haus, Garten und Geschirr. Lass den Hund in den ersten Tagen von sich aus kommen und halte Besuch und Ausflüge klein. In der LMU-Studie beschrieben die Halter nach einer Woche 60,4 % der Hunde als ruhig, nach sechs Monaten 92,7 %. Der größte Fortschritt lag in den ersten sechs Wochen. Einen Auslandshund meldest du in den ersten Tagen in der Praxis an und lässt ihn nach dem Zeitplan von ESCCAP auf Mittelmeerkrankheiten testen. Verlässt er nach Wochen das Haus nicht, hol eine Fachperson dazu.
Häufige Fragen zur Eingewöhnung eines Tierschutzhundes
Wie lange braucht ein Tierschutzhund zur Eingewöhnung?
Eine feste Dauer gibt es nicht. In der LMU-Studie mit 158 Hunden aus dem Ausland galten nach einer Woche 33,1 % als ängstlich, nach sechs Wochen 10,6 % und nach sechs Monaten 4,7 %, laut Angaben der Halter. Den größten Fortschritt machten die Hunde in den ersten sechs Wochen.
Wie kann man Vertrauen zu einem Tierschutzhund aufbauen?
Laut Dogs Trust, indem der Kontakt vom Hund ausgeht: Hände unten lassen, warten, bis er kommt, nur kurz an Brust oder Schulter streicheln und seinen Rückzugsort nie stören. Futter aus der Hand nahmen in der LMU-Studie schon nach einer Woche 94,2 % der Hunde drinnen an.
Wie gewöhne ich einen Hund aus dem Tierschutz ein?
Dogs Trust rät zu einem ruhigen Rückzugsort, keinem Besuch in den ersten Tagen, kurzen Spaziergängen am selben Ort, einem festen Tagesablauf und einem Tagebuch für die ersten drei Monate.
Warum wird mein Tierschutzhund immer ängstlicher?
Lass zuerst eine körperliche Ursache in der Tierarztpraxis ausschließen: Schmerzen können Angst und Abwehr auslösen, und bei Hunden aus dem Ausland können laut Graf und Kuhne Darmparasiten wie Giardien durch Transportstress und Futterwechsel ausbrechen. In der LMU-Studie wurde Angst im Mittel seltener, Aggression gegenüber Besuch nahm aber von 4,7 % nach einer Woche auf 15,3 % nach sechs Monaten zu, ohne dass die Studie den Grund klärt. Hält die Angst an, hol eine Fachperson für Verhalten dazu.
Was ist die 3-3-3-Regel beim Tierschutzhund?
Die ASPCA beschreibt damit drei Abschnitte: drei Tage Unsicherheit, drei Wochen Ankommen, drei Monate, bis Vertrauen wächst. Es ist eine Faustregel aus dem Tierheimumfeld, kein gemessener Zeitplan.
Wann sollte ein Auslandshund auf Mittelmeerkrankheiten getestet werden?
Ohne Krankheitszeichen laut ESCCAP frühestens zwei Wochen nach der Ankunft auf Anaplasmose und Babesiose, ab drei Wochen auf Ehrlichiose und frühestens nach acht Wochen auf Leishmaniose. Tests auf Herzwürmer wiederholt die Praxis nach sechs bis acht Monaten. Zeigt der Hund Krankheitszeichen, wird sofort untersucht.
